Gestern hat die Debattiergesellschaft Jena auf ihrer Mitgliederversammlung einen neuen Vorstand gewählt.
Zum neuen Vorstand gehören:
-Jonathan Scholbach als Präsident
-Sandrina Küppers als Vizepräsidentin
-Robert Stendel als Kassenwart
Gestern hat die Debattiergesellschaft Jena auf ihrer Mitgliederversammlung einen neuen Vorstand gewählt.
Zum neuen Vorstand gehören:
-Jonathan Scholbach als Präsident
-Sandrina Küppers als Vizepräsidentin
-Robert Stendel als Kassenwart
Ein Bericht aus Meistersicht
Fotos © Michael Wolf
Dieses Jahr musste alles anders werden, soviel war klar. Es war angesichts unseres auslaufenden Studentenstatus unsere letzte Chance.
Noch ein weiteres, viertes Mal Deutscher Vizemeister werden? Ein großes Risiko. Und nicht gerade ein Spaß, außer natürlich für alle anderen. Das konnten wir den fröhlich spöttelnden Freunden in Tübingen und anderswo schon aus Prinzip nicht gönnen. Was also tun?
Der Schlachtplan begann an der allerwichtigsten aller Stellen: Dem Teamnamen! Das gute alte „Jena Paradies“ sollte weichen – zu oft hatten wir von der verbotenen und wenig wohlschmeckenden Frucht des zweiten Platzes gekostet. Der Vorschlag „Vize-Jena“ stand anfangs hoch im Kurs, schied aber letztlich doch aus: Zu viel Angst vor der selbsterfüllenden Prophezeiung. Nach kurzem freien Assoziieren, das so vielversprechende Teamnamen wie „Jena Parasit“, „Drei kleine Italjena“ oder „Jenioren“ (grau gefärbte Schläfen für die drei Debattier-Opas inklusive; Vorbild Magnus Schmagold) zutage förderte, fiel die Wahl so schwer, dass wir uns zwangsläufig für die Nicht-Entscheidung entscheiden mussten: Team „Jenachdem“. Auf Moritz durchaus umsichtigen Einwand, dieser Name könne „bei den Juroren zu unentschlossen wirken“ und Punkte kosten, entgegnete Severin, vielleicht zurecht, die Freunde der Sonne sollten doch wohl erst einmal ordentlich debattieren.
„Ordentlich debattieren“ können wir in Jena im Grunde genommen. Im Januar dieses Jahres hatten Clemens und Moritz bereits mit einem, sagen wir, etwas unkonventionellen Antrag das Berliner Einladungsturnier gewonnen; in Mainz waren sie mit dem aufstrebenden Jonathan Scholbach bis ins Finale vorgedrungen, wo allerdings eine routinierte Teresa Peters mit ihrem Leipziger Team zeigte, wer die Hosen anhat. Auf der Ostdeutschen Meisterschaft schließlich mussten sich Clemens, Moritz und Severin im Finale nur knapp den glücklichen Potsdamern geschlagen geben. Trotzdem hatte die Debattiergesellschaft am Ende von allen Teams in allen vier Regionen die meisten Punkte gesammelt. Eine vielversprechende Ausgangslage also.
Nur: Wie würden wir es schaffen, das über Jahre gezüchtete Final-Trauma zu überwinden? Unsere größten Gegner im Finale – sorry, liebe Konkurrenz – waren doch im Grunde immer wir selbst gewesen. Ob wir uns nun etwas altklug gaben (DDM 2007 Bayreuth), uns in der Vorbereitungszeit so lange fetzten, bis sie einfach abgelaufen war, ohne dass wir substantiell Argumente gesammelt hätten (nämlich 30 Minuten auf der DDM 2009 Mainz), im falschen Format das falsche Positionslos zogen (DDM 2010 Münster), den Antrag einfach nicht mitschrieben und konsequent drei Reden lang ignorierten (ZEIT-Debatte Mainz 2011) oder Clemens seine legendären rhetorischen Kamikaze-Aktionen liefern ließen („Wie bei siamesischen Zwillingen: Nicht alles, was zusammenwächst, gehört auch zusammen“ – DDM 2009 Mainz) – stets fanden wir eine elegante Möglichkeit, uns selbst auf dem Weg zum Titel ein bis drei Beine zu stellen.
Ganz im Sinne des alten Watzlawiks – „Mehr desselben ist nicht notwendigerweise besser.“ – musste also einiges umgekrempelt werden.
Die erste Entscheidung war wahrscheinlich ähnlich zentral wie der Teamname: Keine Anzüge mehr im Finale – sehr zum Leidwesen mancher traditionsbewusster Damen und Herren auf den Rängen. Stattdessen steckten wir uns in die guten alten (das heißt auch: mittlerweile ziemlich ausgewaschenen) DGJ-Poloshirts. Das gab womöglich im Schnitt eineinhalb Überzeugungspunkte obendrauf, wenn auch nur aus Mitleid, kam aber in jedem Falle weniger borniert rüber als der Schlipsträger-Look. So jedenfalls war es am Ende auf Twitter zu lesen.
Zweitens betraf das Umkrempeln die Rednerreihenfolge. Clemens, seit 2006 mit nur ganz wenigen Ausnahmen auf Oppositionsseite immer punkteträchtiger Schlussredner und daher bis vor kurzem überzeugt, genetisch für das Stellen von Anträgen einfach nicht prädisponiert zu sein, rotierte auf die eins, Moritz auf die zwei, und Severin auf die drei. Angesichts der Tatsache, dass das Team längst eingespielt und überdies ziemlich erfolgreich war, stellte das eine im Grunde völlig irrationale und tatsächlich unbegründete Entscheidung dar. Sie rief bei vielen aufmerksamen Beobachtern wie etwa Großkonkurrent Lukas Haffert anfangs zurecht stirnrunzelndes Erstaunen hervor, erwies sich aber im Nachhinein zu unserer eigenen Verwunderung als völlig richtig. Ein experimentierfreudiger Clemens stellte zwar die ursrpünglich von ihm selbst vorgeschlagene neue Ordnung nach jeder Vorrundendebatte aufs Neue in Frage und nervte Moritz und Severin mit Zweifeln, ob man anders nicht doch mehr Punkte erzielen könnte (er wollte wohl den Rang als Punkteprimus des Teams nicht einbüßen); spätestens nachdem Debattier-Koryphäe Bernd Höfer auf dem Ball am Samstag der Rednerreihenfolge 2.0 sein hoheitliches Nihilobstat gegeben hatte, waren die Diskussionen jedoch passé. In der Tat zeigte sich, dass Clemens auf der eins zwar vielleicht auf ein, zwei Pünktchen als Einzelredner verzichten musste, dass das Team aber dank seiner spontanen und dennoch weitsichtigen Vorarbeit auf dieser Position deutlich mehr Strategiepunkte einheimste als sonst. Moritz erwies sich auf der zwei als inhaltlicher Tiefschürfer und fulminantes Rebuttal-Feuerwerk sowie als ziemlich radikale Spaßbremse für die Gegenseite. Und dass „Mr. Sixty“ Severin als Schlussredner dann mehr als nur passabel funktionierte, bedarf wohl keiner gesonderten Erwähnung, auch wenn er selbst naturgemäß am längsten brauchte, dies einzusehen.
Der dritte und wichtigste Kniff betraf jedoch die Arbeit im Team. Team heißt eben nicht „Toll, ein anderer macht’s“, sondern höchstens „Together everyone achieves more.“ Debattieren ist nunmal kein Schach oder Mikado, sondern Mannschaftssport, und natürlich “Frauschaftssport”, wie wir in Jena korrekterweise hinzufügen würden. Das beginnt in der Vorbereitungszeit, die wir ganz strikt nach einem bestimmten (streng geheimen und in Schweizer Tresoren verwahrten) System strukturierten. Es setzte sich fort bei der gemeinsamen Erarbeitung von Anträgen entlang der eigentlich offensichtlichen, aber doch oftmals nicht konsequent genug beackerten Schauplätze: Status quo. Problem. Genauer Antrag mit Definitionen, Ausnahmen, Sanktionen usw. Und dann ganz ausführlich der Nexus! Und vor allem hört die Verpflichtung für das Team nicht nach der eigenen Rede auf. Wer die Videos des Finales gesehen hat, hat vielleicht bemerkt, dass wir ständig aktiv waren: Das Verfassen von Rebuttals für die Teamkollegen, die Zusammenfassung der Positionen der fraktionsfreien Redner für den Schlussredner, die Anfertigung eines „Parkplatzes“ für wichtige Zwischenfragen, die übersichtliche Gegenüberstellung der wesentlichen Positionen der eigenen Seite und der Gegenseite („Clashes“) für den Schlussredner, und und und – man kann gerade als erster Redner so viel mehr tun, als nur 7 Minuten sein Programm herunterzuspulen, und so fütterte Clemens seine Nachredner während der Debatte genauso beständig mit hartem Tobak für die Gegenseite wie umgekehrt seine Kollegen ihn beim Antrag. Genau das ist vielleicht das Geheimrezept, nach dem Anja Pfeffermann auf der Achten Minute gefragt hat.
Warum eigentlich nicht gleich so, die Herren? Wir wissen es selbst nicht. Aber es lief jetzt wie am Schnürchen. Die Heidelberger gaben sich alle Mühe, ein großartiges Turnier in tolle Kulissen zu zaubern, das Jurorenboard war so kompetent besetzt wie vermutlich nie zuvor auf einem Turnier (gleich mehrere Großmeister, darunter auch Michael Hoppmann, waren zugegen), und unsere Stimmung war von Anfang an famos. Obwohl die Vorrunde wie so oft bei uns als „Kaltstart“ ausfiel – wir hatten im Vorfeld trotz guter Vornahmen so gut wie gar nicht zusammen trainiert –, bescherte sie uns gleich das Top of the Tab – noch vor den ziemlich angsteinflößenden St. Gallenern Lukas Haffert, Viola Lutz und Christian Funk. Und das obwohl Moritz in einem Anflug von kindlicher Neugier unbedingt wissen wollte, wie es sich anfühlt, 10 Punkte wegen Zeitüberschreitung abgezogen zu bekommen (Antwort: Gibt Schöneres). Im Achtelfinale hätten uns um ein Haar die unerwartet starken Salzburger, denen das Losglück auf Platz 16 hold gewesen war, die Suppe versalzen. Schließlich konnten wir sie mit ihren EZB-Visionen doch auf den Boden der volkswirtschaftlichen Tatsachen holen und unser Veto gegen ihr Weiterkommen einlegen. So spannend wollten wir es eigentlich im Viertelfinale gegen unsere Kollegen von der Saale (Bambule, Randale…), die Hallenser, nicht noch einmal machen. Die allerdings schon.
Nach einem von Michael Hoppmann reichlich mit Punkten bedachten Erstschlag von Antragsredner Clemens, der eigentlich keinen Zweifel daran ließ, dass Wikipedia UNESCO-Weltkulturerbe werden muss, weigerten sich diese dreisten drei von der Gegenseite einfach, uns zuzustimmen und aufzugeben. Wir mussten also notgedrungen den Weingarten wieder einmal aus dem Käfig lassen. Hätten sie uns halt nicht provozieren sollen.
Gestärkt von tollen Socials besonders am Samstagabend und immerhin sechs Stunden Schlaf (wer immer noch glaubt, Turniere würden an der Bar gewonnen: Ihr irrt Euch, das Rednerpult und das Bettgestell sind maßgeblich), machten wir uns daran, den Men in White aus München (Marco Witzmann, Valerio Morelli und Wladi Jachtchenko) ihre weißen Westen kräftig zu besudeln. Unseren europäischen Marshallplan für Nordafrika konnten sie nicht verhindern, und damit auch nicht unsere Finalpläne.
Im großen Finale in der altehrwürdigen und wirklich wunderschönen Aula der Heidelberger Universität trafen wir auf die befreundeten Tübinger Streitkulturler Pauline Leopold, Steffen Jenner und Dominic Hildebrand. Wir hatten die nicht allzu dankbare Aufgabe, eine manchen als juristisches Harakiri erscheinende Position zu vertreten und zu fordern, Gesetze sollten generell befristet sein. Sehr interessantes, aber schwieriges Thema. Irgendwie schien an diesem Pfingstsonntag tatsächlich ein „neuer Geist“ auf uns herabgekommen zu sein. Ein sehr solider Antrag von Clemens, den Moritz den drei freien Rednern, die sich allesamt gegen uns positioniert und damit die Tübinger in die von ihnen einst selbst geschaffene OPD-Falle (Ironie der Geschichte) manövriert hatten, mit gourmetmäßigen Zwischenreden noch einmal schmackhaft machen durfte. Pauline hielt zwar scharfzüngig und mit beeindruckendem Sachverstand dagegen (wie auch ihre beiden Herren Teamkollegen, chapeau!), am Ende waren es aber immerhin 7 Punkte – Bayreuth damals, liebe Gudrun, viel war knapper –, um die wir die Nasen vorne behielten.
So begab es sich also, dass das Final-Trauma zum Traumfinale wurde, wir doch einmal den Titel holten und nun die Tübinger Vizemeister nennen dürfen. Außerdem dass Johannes Haug sich darüber freuen konnte, dass nach unserem Abschied von der Bühne als aktive Debattierer, so er, „endlich ein Slot im Finale frei wird“, den zu besetzen er fest vorhat.
Liebe Debattiergemeinde, es war für uns ein grandioser Höhepunkt unserer Zeit im Debattieren, der wichtigsten Nebensache der Welt. Vielen herzlichen Dank Euch allen, die Ihr Anteil daran hattet. Wir werden uns immer an diese vier wunderbaren Tage erinnern.
Clemens, Moritz und Severin
Im Finale der deutschen Meisterschaft im Hochschuldebattieren haben heute Severin Weingarten, Clemens Lechner und Moritz Niehaus im Finale gegen das Team aus Tübingen den Sieg errungen.
Die Berichterstattung ist im Moment noch äußerst dürftig, weitere Informationen finden sich aber schon unter
Öffentliches Finale der ZEIT DEBATTE Jena 2011
Sonntag, 22.05.2011, 14:15
Alte Aula im Universitätshauptgebäude
(Fürstengraben 1)
Der Eintritt ist frei!
Ehrengäste: Ralph Lenkert (MdB), Prof. Dr. Roland Merten (Staatssekretär), Prof. Dr. Eberhard Eichenhofer (Sozialrecht) und Holger Wiemers (LEG Thüringen)
Showact: Ryo (Zughafen Erfurt)
3 Professoren gegen 3 Studenten
Das Debattenthema und den Sieger wählt das Publikum!
Donnerstag, 28.04.2011, 20:15
Hörsaal 3 (Carl-Zeiss-Str. 3)
Prof. Dr. Stefan Strohschneider (IWK)
Prof. Dr. Stephan Lessenich (Soziologie)
Prof. Dr. Michael Dreyer (Politikwissenschaft)
Am vergangenen Wochenende fand in Halle die Ostdeutsche Meisterschaft 2011 statt. Das Jenenser Team aus Severin, Moritz und Clemens hat sich bis zum Finale durchgekämpft. Allerdings setzte sich dann im Finale Potsdam gegen unsere Jenenser durch.
Obwohl Potsdam das Finale für sich entscheiden konnte, belegen Severin, Moritz und Clemens den 1. Platz im Tab des Turniers. Für diese Leistung in Halle einen herzlichen Glückwunsch an unser Team!
Am 11.April hat sich jemand Fremdes offenbar Zugang zu den Server-Verzeichnissen verschafft, in denen die Dateien für die Seite www.debattiergesellschaft.de liegen. Er hat in verschiedene Dateien Code eingefügt, welcher von einem polnischen Server aus womöglich zur Einschleusung von Schadsoftware gedachte Scriptdateien ausführte. Wir wissen bisher nicht, wie und warum es zu diesem Einbruch kam, geschweige denn, welche Veränderungen genau der Angreifer vorgenommen hat. Soweit bekannt, wurden die Veränderungen rückgängig gemacht! Bitte prüfen Sie oder lassen Sie prüfen, falls möglich, ob es durch den Aufruf der Seite zwischen 11.April 18:30 und 13.April 17:30 zu Veränderungen an Ihrem Rechner gekommen ist.
Willkommen im Sommersemester 2011!
Wir treffen uns an folgenden Tagen:
Montag – Englische Debatte:
Uhrzeit 18:00 bis 20:00; SR 2.70 (Universitätshauptgebäude)
Dienstagstreffen – Deutsche Debatte:
Uhrzeit 19:15 bis 22:00; SR 223 (Universitätshauptgebäude)
Am 12.04. findet unser Inforabend in der Carl-Zeiss-Str. 3 im SR 307 statt. Neben einer Einführung zum Debattieren wird es Getränke und Kuchen geben! Ihr seid herzlich eingeladen bei uns vorbeizuschauen und das Debattieren kennenzulernen!
Vom 22. bis 23. Januar fand in Jena ein Freundschaftsturnier mit Gästen aus Ilmenau, Leipzig, Dresden, Potsdam und München. Es gewann nach vier Vorrunden am Ende das Team “Adam und Eva”.
Einen ausführlichen Bericht von unserer Live-Reporterin gibts auf der Achten Minute.
Bei der ersten ZEIT-Debatte des Jahres 2011 gewann das Jenaer Team bestehend aus Clemens Lechner, Moritz Niehaus und Jonathan Scholbach den zweiten Platz!
Im Finale zum Thema “Frage nicht was dein Land für dich tun kann, frage, was du für dein Land tun kannst – Brauchen wir eine einmalige Vermögensabgabe zur Tilgung der Staatsschulden?” mussten sie sich nur einem Team aus Leipzig geschlagen geben.
Weitere Informationen auf Achte Minute.